© Darkwulf
Sie warfen ihn mit wutentbrannten Gesichtern auf die harten Steinstufen, die bis zur Tempelplattform führten. Noch nie hatte man die Hranga, so nannten die Echsenmenschen ihre Götter dermaßen beleidigt. Nie hätte jemand gedacht, dass ein Priester selbst es sein könnte, der einen solchen Frevel begingt.
Noch immer hatten sie die Frau nicht gefunden, die innerhalb kürzester Frist den Hranga überführt werden musste. Es blieben ihnen nur noch wenige Tage, also mussten sie schnell handeln. Sein linkes Bein stand jetzt in einem unnatürlichen Winkel von seinem Körper ab. Dann rissen sie ihn hoch, schleiften ihn in eine der Hütten und banden ihn an mehrere, schwere Steine. Zähne bleckend und mit Speeren bewaffnet fauchten sie ihn an :,, Wo ist sie ?´´
,, Ich... Ich. ´´ röchelte Rotrazil. Einer der Achaz bohrte seinen Speer in Arssachzs Unterarm während er schrie : ,, Rede Frevler !´´ Rotrazil heulte auf vor Schmerz und beteuerte verzweifelt : ,, Sie ist fortgelaufen und ich ... .´´ ,, Benutze deine Kräfte um sie zu finden oder wir werden deine Eingeweide befragen wo sie sich aufhält !´´ knurrte ein anderer wütend und zückte dabei ein Dolch, dessen Klinge aus Onyx bestand und blutverkrustet war.
Rotrazil schlug mit seinem Schwanz wild umher, traf aber niemanden. Eben kam der Echsenmensch mit dem Dolch auf ihn zu und rammte ihm mit voller Wucht in Rotrazil Arssachz Oberschenkel, wo er in leicht drehte und dabei die Sehnen an der Schärfe entlang zog, die nacheinander durchtrennt wurden.
Rotrazil verlor fasst sein Bewusstsein und konnte nur noch benommen die Fragen der Umherstehenden wahrnehmen. Einige Zeit später vernahm er ein dumpfes Knacken das von seiner Brustplatte herrührte, die die Echsenmenschen statt Rippen besaßen. Sie machten sich nun an den Organen zu schaffen, die nun nichts mehr schützen konnte und dies war der Moment in dem er das Bewusstsein verloren hatte.
Fünf Tage waren vergangen und sie hatten seinen zermarterten Leichnam achtlos in den Urwald geworfen, um diesen den dortigen Tieren zu überlassen. Ein paar Organe lagen zertreten um ihn herum und waren halb von Laub bedeckt. Etwas schlurfte verletzt heran und kam neben der Leiche zum liegen. Es war ein Mann mittleren Alters, der sich schmerzend den Bauch hielt.
Man hatte ihn mit einem vergifteten Pfeil getroffen der fast lautlos aus einem Blasrohr gekommen war. Seine Hand war fast gelähmt und er umklammerte etwas weiches, das offensichtlich kein Stein war aber fast die Form eines solchen hatte. ,, Hil ... mi !´´ hörte er in seinem Kopf. Es schauderte ihn und er konnte gerade noch seinen Kopf drehen. Dann sah er eine Krallenbewehrte Hand, die aus dem Dreck hervorlugte. ,, Nimm das Amu ...!´´ vernahm er zitternd. Wenige Sekunden später erblickte er etwas glitzerndes neben sich. Unter größter Anstrengung umfasste er es mit seiner Hand und sein Herz hörte auf zu schlagen.
Lurthenor versuchte sich auszumalen was passieren würde, wenn sie ihn erreichen würden, ließ es dann aber sein. Die Schatten waren näher herangekommen und schienen noch abzuwarten. Mutlos schaute er Molitor an, der regungslos neben ihm lag. ,, Meister... Meister. ´´ verzweifelter wurde sein Ruf, doch Szichtor bewegte sich immer noch nicht und die Schatten bildeten Spitzen, die flackerten. Abermals schrie er in Molitors Richtung, doch sein Meister war bereits weit weg von ihm in einer anderen Welt, die sich ihm verschloss.
Strauchelnd kam er wieder zu sich und stützte sich an einen Baum, der am Rande der Wiese stand. In seinen Ohren pfiff es unnatürlich und vor ihm lag dieser Stein, der ihn immer noch faszinierte und zugleich abschreckte. Ein Reiter kam nun heran und hielt vor ihm. Es war ein dem Aussehen nach ein Krieger, der auf seinen Rücken einen Andergaster, ein etwa zwei Meter langes Schwert., geschnallt hatte und auf einem braunen Warunker saß.
,, Wer seid ihr und was wollt ihr ?´´ fragte er Molitor streng. Als Szichtor ihn näher betrachtete fiel er niedergeschmettert nach hinten. ,, F ... Falk ... Rodiak ?´´ erkundigte sich der ungläubige Achaz. ,, Das ist richtig !´´ entgegnete der Mann und stieg ab. Prüfend sah er den Echsenmensch an und versuchte ihn zu beruhigen. Noch nie hatte er jemanden getroffen, der eine solche Angst vor ihm hatte.
Nachdenklich blickte er drein und wollte nochmals den Namen des Achaz wissen. ,, Mein Name ... ist Molitor Szichtor .´´ beantwortete dieser jetzt Falks gestellte Frage. Der Mensch ergriff seine Klaue und drückte sie fest. ,, Freut mich .´´ sagte er kurz. ,, Was macht ihr hier ?´´ ,, Ich bin auf einer Reise, die ich ...´´ ,, Ihr seid ein Achaz nicht war ?´´ fragte er als er dem Echsenmenschen hoch half.
Molitor schwieg. ,, Wenn ihr wollt könnt ihr mich bis nach Gareth begleiten.´´ bot Rodiak an. ,, Ich denke ... lasst uns gehen .´´ Laienhaft stieg der Achaz auf den Hengst, während Falk die Ausrüstung weiter nach hinten geschoben hatte. Dann stieg auch er auf und blickte besorgt zum Himmel. ,, Es wird sicherlich bald einen Sturm geben, deshalb sollten wir uns beeilen.´´ stellte Falk Rodiak fest und gab dem Pferd die Sporen.
Mit hohem Tempo galoppierten sie an einem Acker vorbei, auf dem ein Bauer mit seinem Esel debattierte, da dieser sich weigerte den Pflug zu ziehen. Der Wind blies jetzt kräftiger und zog an Molitors schwarzer Kutte. Vor ihnen erschien ein Karren, der von einem Ochsen gezogen wurde und sich dicht am Fahrbahnrand hielt, so hatte Falk keine Schwierigkeiten diesen zu überholen.
Es fing an zu nieseln und sie erblickten jetzt das kleine Waldstück, das sie durchqueren mussten. Auf der Straße kam ihnen ein kleiner Trupp entgegen, der sie Misstrauisch beäugte. Es waren mehrere Praotiner, die schwer bewaffnet stehen blieben und Falk aufforderten anzuhalten. Hastig ließ Falk den Hengst kurz steigen und bremste dessen Lauf. Ein in goldrote Gewänder gekleideter löste sich von dem Trupp und verkündete inbrünstig :,, Praois zum Grusse Reisender !´´
,, Rondra zum Grusse !´´ ,, Bitte weist euch aus und sagt uns woher ihr kommt !´´ befahlt der Geweihte barsch. ,, Ich bin Falk Rodiak und komme aus Donnerbach, wo ich meinen Cousin im Rondratempel besuchte.´´ erklärte Falk und legte seinen Kriegerbrief vor. ,, Und wer ist diese Gestalt hinter euch ?´´ Szichtor wagte es nicht zu sprechen. Statt dessen antwortete Falk selbstbewusst: ,, Dies ist ein Gefangener, den ich nach Gareth bringen werde !´´ ,, In wessen Namen tut ihr dies ?´´
,, Orelon Bellentor, Hochgeweihter der Rondrakirche hat mich damit betraut, diesen Achaz in die Magierakademie der Hesindekirche zu bringen, weil er gegen die Zwerge rebelliert hat. ´´ ,, Ich habe ihn hier aufgegabelt, nachdem ich ihn verfolgt hatte. ´´ ,, Ich würde gerne eure Befehle sehen !´´ ,, Es wurde mir nicht schriftlich mitgeteilt, da ich eine besondere Stellung in der Rondrakirche habe. ´´ ,, Welche Stellung habt ihr?´´ hakte der Praotiner nach.
,, Ich bin Sonderbeauftragter der Kirche und habe schon einige Gefechte im Namen von Rondra bestritten. ´´ Rodiak griff in seine Jackentasche und holte einen goldenen Siegelring hervor den er dem Geweihten hinhielt. Der Geweihte ergriff ihn stumm und sah darauf einen Löwen auf rotem Grund. ,, Ihr dürft passieren !´´ antwortete der Praiosgeweihte schroff und schritt von dannen.
Sie waren in Gareth angekommen und hielten vor einem kleinen Gasthaus an, das den Namen ,, zum Fürsten´´ trug und offensichtlich der gutbetuchten Gesellschaft, die in der Reichshauptstadt öfter anzutreffen war, vorbehalten war. Ein stämmiger Wirt bediente gerade eine zierliche Frau, die ein rotes Kleid trug und sich mächtig. herausgeputzt hatte. In einer Schankecke leerte gerade ein Zwerg in einer prächtigen Magierrobe seinen Humpen und bestellte vergnügt einen weiteren bei der Bedienung.
Als Falk die Zimmer für die Nacht mit einigen Golddukaten gesichert hatte, setzten sie sich an einen der freien Tische um sich etwas zu Essen zu bestellen. Der Zwerg mit dem kurzen Bart hob wieder den Humpen und rief :,, Lokalrunde !´´ Molitor vergrub sich tiefer in seiner Kutte und versuchte so gut wie möglich seinen Schwanz unter jener zu verbergen. Zwischenzeitlich wurden auch Bierhumpen vor Falk und Molitor auf den Tisch abgestellt und Molitor sah diese skeptisch an.
Plötzlich erklomm der Zwerg den Stuhl und verkündete stolz, das Angrosch dieses Haus wahrlich gesegnet habe und landete mit einem gekonnten Sprung auf dem Boden. Dann kam er zu Falk Rodiak hinüber und stieß mit ihm freudig an. Sie lachten und unterhielten sich kurz.
Szichtor konnte dem Gespräch entnehmen, das der Zwerg den Namen Saldor Foslarin trug und Vorsteher der hiesigen Akademie war. Saldor blickte kurz zu Molitor hinüber und entgegnete leise:,, Ich grüße auch dich Achaz !´´ er hielt ihm seine kräftige Hand hin, die Molitor zögerlich ergriff. Szichtor stellte sich kurz vor und wenig später verloren sich beide in magietheoretischen Erörterungen.